Allgemein, Blog, Creative, Equipment, Video 14. Dezember 2015 0

BlackMagic Pocket Cinema Camera

Vergangenes Wochenende stand das vorerst letzte „Emden geht Post“-Festival an. Aus diesem Grund wollte ich mir eine neue Kamera näher anschauen und habe mir deshalb beim REC-Verleih aus Hamburg eine BlackMagic Pocket Cinema Camera ausgeliehen, um zu schauen, ob es nicht eine Kamera für meinen Fuhrpark wäre. Aus diesem kleinen Test habe ich ein Video gemacht:

Allgemein:
Die Kamera ist, wie das „Pocket“ im Namen bereits sagt, sehr klein und kompakt und passt somit quasi in jede Hosentasche. Dies ist natürlich abhängig vom verwendeten Objektiv. In meinem Fall hatte ich das Pancake-Objektiv mit 14mm und einer Blende von f2.5 montiert. Die geringe Größe und das daraus resultierende geringe Gewicht ist natürlich kontraproduktiv für die Benutzung auf Steadycams. Hierzu müsste man man zusätzlichen Gewichten arbeiten, um einen guten Ausgleich zu schaffen. Das fehlende Gewicht ist ebenso eher ungeeignet für Handheld-Aufnahmen. Das kann man aber auch gut durch die richtige Technik ausgleichen.

Durch den Super16-Sensor weist die Pocket Camera einen Crop-Faktor von 2,88 auf. Dadurch wird bspw. ein 14mm Objektiv zu einer Brennweite von 40mm. Das bedeutet, dass die Kamera nicht unbedingt für weitwinklige Aufnahmen geeignet ist. Allerdings sei an dieser Stelle die Nutzung von Speedboostern der Firma Metabones erwähnt. Diese reduzieren die Brennweite wieder um einen Faktor von 0,58 und erweitern die Blende um 1,66. Somit ergibt sich folgende Rechnung bei der Nutzung von 14mm f2.5:

Brennweite:
14mm x 2,88 x 0,58  ≈ 23mm

Blende:
f2.5 / 1,66 ≈ f1.4

 

Einstellungen / Arbeiten mit der Kamera:
Das Arbeiten mit der Kamera ist denkbar einfach. Grundsätzlich gibt es nur sehr wenige Knöpfe und demnach auch wenig Möglichkeiten etwas falsch zu machen. Schaut man in das Menü, dann entdeckt man lediglich sechs Punkte. Angefangen bei den Metadaten, bei denen man einstellen kann, wie die aufgenommenen Clips benannt werden sollen, über den Punkt „Formatieren“, drei Punkte mit denen man kleine Helferlein, wie Focus-Peaking, Grid, also Hilfslinien, und Pegelanzeige einblenden kann, bis hin zu den eigentlichen Einstellungen. Was sich BlackMagic dabei gedacht hat, können wohl nur die Entwickler selbst argumentieren. Was für mich völlig sinnlos erscheint, ist die Tatsache, dass man die ISO-Einstellungen NUR über die Datums- und Zeiteinstellungen erreicht. Das heißt, ich muss jedes Mal mehr als acht Knöpfe drücken, um eine elementare Einstellung zu ändern. Absolut sinnfrei. Alles andere ist allerdings selbst erklärend.

Die Bildeinstellungen lassen folgende Möglichkeiten zu:

  • ProRes HQ
  • ProRes 422
  • ProRes LT
  • ProRes Proxy
  • RAW
Die Möglichkeit in RAW zu filmen ist vor allem für diejenigen Interessant, die vorhaben einiges in der Postproduktion heraus zu holen. Hierbei helfen die 13 Blendenstufen Dynamikumfang, die einem sehr gut dabei helfen das aufgenommene Material nachzubearbeiten. Dabei sollten aber schnelle und auch große Speicherkarten vorhanden sein. Ich selbst habe „nur“ ProRes HQ aufgenommen, da mir der Arbeitsaufwand mit RAW dann doch zu groß war und ich keinen nennenswerten Mehrwert dadurch hatte. Die Kamera nimmt außerdem in verschiedenen Framezahlen auf. 23.98, 24, 25, 29.97, 30 fps sind in Full-HD Auflösung möglich. Eine andere Einstellungsgröße, bspw. in 720p ist nicht möglich. Gerade 24 Frames sind für den speziellen Kinolook sehr interessant. Für den europäischen Raum sind aufgrund der hier üblichen Netzfrequenz von 50Hz die 25fps am interessantesten. Sollte man mit 29,97 bzw. 30 Frames aufnehmen kann es vorkommen, dass abgebildete Lampen nicht durchgehend leuchten, sondern flackern. Das bekommt man nur durch aufwändiges Maskieren heraus, daher ist zu empfehlen sich auf die 25 Frames zu beschränken. Slowmotion ist ohnehin nicht möglich, daher machen die 5 Frames mehr absoluten keinen Unterschied.
Außerdem gibt es noch einige Audioeinstellungen, eine manuelle Pegelung ist natürlich auch möglich. Das interne Mikrofon ist deutlich besser als das von vielen DSLR, es gibt aber auch einen 3,5mm-Klinken-Mikrofoneingang, um externe Mikrofone wie bspw, das Rode VideoMic Pro anzuschließen. Für mich war diese Möglichkeit nicht von Bedeutung, da ich auf dem Festival keinen Ton aufgenommen habe.
BlackMagic Pocket Cinema Camera
BlackMagic Pocket Cinema Camera
BlackMagic Pocket Cinema Camera
BlackMagic Pocket Cinema Camera

 

Akkuleistung:

Die Akkuleistung im allgemeinen lässt sehr zu wünschen übrig. Hauptproblem hierbei ist die stark schwankende und unzuverlässige Anzeige. Ich hatte eigentlich immer den Fall, dass ein voller Akku bereits nach wenigen Minuten bereits auf 60% gesprungen ist, dann weiter auf ca. 20% wieder auf 40%, zurück auf knappe 5% und danach war die Kamera aus. Und das Ganze innerhalb von keinen 20 Minuten. Abhilfe schafft hierbei nur eine externe Stromversorgung, entweder über Netzteil oder aber über einen Akku-Pack, mit dem man bspw. auch sein Handy laden kann. Man muss darauf achten, dass dieser 12V DC-Out besitzt. Der Markt bietet hier Modelle ab ca. 50€ an.

Besonderheiten:
Die Kamera bietet unterstützend unter anderem Zebra, für die korrekte Belichtung und Focus-Peaking und verschiedene Overlays um den richtigen Bildauschnitt wählen zu können, wie das Drittel-Gitter oder das Cinemascope-Format. Für einen externen Monitor gibt die Kamera ein cleanes Full-HD Signal aus. Allerdings ist der Micro-HDMI Anschluss etwas wackelig und sollte zusätzlich fixiert werden.
Ein nettes Gimmick ist außerdem die integrierte Timelapsefunktion mit der sich in einem bestimmten Intervall zwischen 2 Frames und 10 Minuten Bilder aufnehmen lassen und diese intern direkt zu einem Video verarbeitet wird. Hierbei muss man allerdings aufpassen, dass dieser Modus deaktiviert ist, wenn man filmen möchte, sonst sieht das Ganze so aus:

BlackMagic Pocket Cinema Camera

Fazit:
Die BlackMagic Pocket Cinema Camera ist eine sehr spannende und unscheinbare Kamera, die es aber ordentlich unter der Haube hat. Für mich persönlich ist es aber kein Must-Have, keine Kamera, die ich mir kaufen werde. Dazu ist sie mir zu klein, hat ein nervendes Akkuproblem und wirklich Low-Licht geeignet ist sie, aufgrund des kleinen Sensors auch nicht. Spannend wird es hier aber, wenn man wirklich Filme drehen möchte, daher ist es sehr gut möglich, dass ich sie mir für einen Imagefilm oder ähnliches erneut leihe. Für die klassischen Aftermovies, wie ich sie häufig produziere, gibt es deutlich bessere Alternativen. Ganz klar für die Pocket spricht der Preis. Mit knapp 1000€ ist sie für eine RAW-Kamera sehr erschwinglich und dank MFT-Mount kann man auch (mit Adapter) Canon-Objektive benutzen.
Mitja

About the author

Mitja: Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren mit Film. Nicht nur die Kameraarbeit selbst, sondern auch der Videoschnitt sind die größten Arbeitsgebiete. Ganz allgemein interessiere ich mich für alles was mit Technik zu tun hat.

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