Behind the Scenes – Tirol

Für alle Ungeduldigen: Das Behind-the-Scenes-Video ist am Ende dieses Blogeintrages.

Kurzfristig kam ich zu einem kleinen Job als Kameramann der Making-Of Kamera bei einer Werbeproduktion für einen Südkoreanischen Automobilhersteller. Am Mittwoch Morgen ging es nach Stuttgart, um mich dort mit Dennis, dem Produzenten, und dem Kameramann Adrian zu treffen. Von dort fuhren wir mit dem Auto direkt nach Tirol, das uns mit starkem Nebel und Regen begrüßte.

 

Am Nachmittag wurden letzte Details geklärt, wie Routenplanung, Straßensperrungen und die Zeitabläufe für den nächsten Tag. Da für das gesamte Projekt lediglich ein Drehtag veranschlagt wurde, ohne zweiten Ausweichtag, musste soviel wie möglich vorbereitet werden. Neben dem Kamerateam und den Kunden mussten auch die Feuerwehr und die Jungs vom Straßenbau, die für die Sperrungen der Straßen und die Sicherheit verantwortlich waren, unter einen Hut gebracht werden. Mit einem sehr leckeren Abendessen und einem verdienten Feierabendbier ging es im Anschluss ins Hotel, um für den Drehtag fit zu sein.

Der nächste Tag startete um 7 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück. Anschließend wurde das Equipment vorbereitet. Das Kameraauto, wurde aufgeriggt, also mit diversen Alustangen bestückt, um vor der Windschutzscheibe die Kamera montieren zu können.Ich dachte nicht, dass das Ganze so Zeitaufwendig ist. Über eine Stunde hat der Aufbau gedauert, um schlussendlich pünktlich um 9 Uhr in Richtung erstem Drehort aufzubrechen.

 

Am ersten Drehort angekommen ging es dann auch direkt weiter. Die Kamera wurde vorbereitet, verkabelt, das Objektiv montiert und alle nötigen Einstellungen vorgenommen bzw. nochmals überprüft. Mittlerweile waren auch die Oktocopter Jungs aus München angekommen und besichtigten die möglichen Flugrouten. Ebenso kamen nun die Kunden und standen in engem Kontakt mit Produzent und Regisseur und warfen auf jede Einstellung einen strengen Blick, ließen aber alle Akteure arbeiten.

 

Nachdem die ersten Szenen im Kasten waren (das Auto vor der Alpen-Szenerie) zog auch schon der Nebel ins Tal und verhinderte weitere Aufnahmen. Wie bereits erwähnt war nur ein Drehtag eingeplant und so musste schnell eine Alternative her. Glücklicherweise hörte der Regen nach etwa 20 Minuten wieder auf und so konnte das Auto mit der Kamera und dem Gimbal bestückt werden, um dynamische Fahraufnahmen zu machen. Da die ganze Produktion wie ein Uhrwerk funktionieren musste, um den Zeitplan einalten zu können, verband man das Nötige mit dem Nützlichen. Das heißt, dass die Fahraufnahmen direkt auf dem Weg zum zweiten Drehort gemacht wurden.

 

Dort angekommen wurde das Gimbal wieder demontiert und die Oktocopter-Crew bezog ihre Stellung auf einem Hang, um die Straße und das gesamte Tal im Blick zu haben. Gleichzeitig baute der Kameramann mit seinem Assistenten die große Kamera in einer Kurve auf, um während den Flügen parallel eine zweite Einstellung drehen zu können. Zeit ist Geld und Geld ist knapp 😉

 

Nachdem die Aufnahmen aus der Luft im Kasten waren ging es Schlag auf Schlag weiter. Die Kamera wurde erneut am Auto montiert. Dieses Mal aber am Heck, um auch die Front der Autos filmen zu können. Abenteuerliche Konstruktion des Grip-Departments, aber alles doppelt und dreifach gesichert, keine Sorge. Selbst der Kameramann war mit einem Klettergurt am Auto montiert. Nichts geht über die Sicherheit am Arbeitsplatz!!!

 

Umso spannender war es direkt im Kamerawagen mitzufahren und die Kommunikation zwischen Regisseur, Kameramann und Focuspuller mitzuerleben. Alles war aufeinander abgestimmt, klare Ansagen wurden gemacht und ziemlich geile Bilder eingefangen. Auch dieses Mal wurden die Aufnahmen auf dem Weg zum dritten Drehort gemacht. Gut, eigentlich war es wieder der erste Drehort, den wir ja leider, dank Regen, kurzfristig verlassen mussten.

15 Uhr. Mittagspause. Der Magen hing bereits auf halb sieben und die warme Mahlzeit im Wirtshaus hat bei allen Beteiligten noch mal richtig Energie erzeugt. Die hat der Kameramann Adrian auch dringend gebraucht, denn nun wurde das EasyRig und erneut der DJI Ronin ausgepackt. Wer schonmal den Ronin in der Hand hatte weiß, dass er auf Dauer durchaus schwer wird, vor allem wenn eine Arri Alexa Mini drauf Platz findet. Daher auch die Unterstützung durch das EasyRig, das wie ein Rucksack angezogen wird und durch den Arm, der vom Rücken über den Kopf verläuft, das Gewicht des Aufbaus gleichmäßig auf Schultern und Hüfte verteilt. So ist ein angenehmeres und vor allem längeres Arbeiten möglich.

 

Mit dem Ronin wurde bewegte „Verfolgungsaufnahmen“ erstellt. Der Kameramann läuft hinter dem Auto her und filmt gleichzeitig Details wie beispielsweise Rückleuchten, Türgriffe und Reifen. Und auch diesen Spot mussten wir leider vorzeitig verlassen. Der Regen kam sogar noch stärker als am Vormittag und so fand sich die gesamte Crew zur Lagebesprechung wieder im Wirtshaus ein. Wir beschlossen, auf Anraten von Gerry, der die Umgebung besser als seine eigene Westentasche kennt, eine kurze Regenpause zu nutzen, um die Kamera ein weiteres Mal umzubauen.

Die Kamera war bereits auf der Motorhaube, aus dem Kofferraum wurde bereits gefilmt. Was fehlt noch? – Richtig, die Seitenaufnahmen. Sogenannte Car-to-Car Aufnahmen. Die Straßen waren sehr nass und so trat das Problem auf, dass Wassertropfen auf die Linse spritzten. Aber auch dafür gibt es beim Film einen Trick. Ein Spray-Off ist eine runde Glasscheibe, die vor der Linse montiert wird und sich in wahnsinniger Geschwindigkeit dreht. Dies bewirkt, dass Regentropfen, die auf die Glasscheibe treffen, durch die Zentrifugalkraft nach außen geschleudert werden und somit nicht mehr sichtbar sind. Ziemlich praktisch das Teil, aber klingt wie ein Mini-Quadrokopter oder ein Schwarm Bienen 😀

 

So, das wars auch fast schon. Kurz bevor wir den Weg ins Tal antraten, wurde die Kamera noch ein letztes Mal in das Heck montiert und eine weitwinkligere Linse dran geschraubt, um verschiedene Blickwinkel zu bekommen. Zusätzlich wurde das Objektiv und die Kamera mit klassischer Frischhaltefolie eingewickelt, um die empfindliche Technik vor allen Wassertropfen zu schützen. Unten angekommen wurden die beiden Autos auch direkt wieder in den LKW verladen, sodass sie am selben Abend noch die Heimreise nach Südkorea antreten konnten. Der Rest hat noch eine Kleinigkeit zusammen gegessen und währenddessen die Daten gesichert (Sicherheit geht vor!!!)

An dieser Stelle bedanke ich mich für zwei spannende Tage mit und für die Jungs von Peach & Cherry Film, Dennis und Alexander. Es war eine aufregende Erfahrung eine Werbefilmset zu begleiten und den gesamten Ablauf mitzubekommen. Auf viele weitere Male!

Und hier eine Zusammenfassung meines Tages, zumindest das, was ich mit der Kamera einfangen konnte: